Nachhaltigkeit als forstwirtschaftliche Anforderung

Das Wort Nachhaltigkeit ist in aller Munde: Ein Begriff mit dem sich jeder anscheinend ohne Schwierigkeiten identifizieren kann und der sich in Regierungsprogrammen ebenso findet wie in Unternehmensleitbildern und Produktbeschreibungen.  

Was verbirgt sich hinter diesem Schlagwort eigentlich, woher kommt der Begriff, und was bedeutet Nachhaltigkeit für unser Handeln? 

Der Begriff Nachhaltigkeit stammt aus der Forstwirtschaft und geht bis ins 16. Jahrhundert zurück.


In dieser ursprünglichen Bedeutung von Nachhaltigkeit geht es um die Erhaltung des Produktionsmittels Wald durch die Begrenzung der Holzentnahme in Form von Brennholz. 

Dem Überleben des Systems Wald wird der Vorrang vor dem Wohlergehen des Einzelnen eingeräumt. 

Noch heute bedeutet Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft, dass sich der Einschlag nicht primär an den Bedürfnissen der Besitzer und Konsumenten orientieren soll, sondern an der Leistungsfähigkeit des Waldes. Die Leistungsfähigkeit des Waldes beschränkt sich dabei nicht nur auf einen konstanten Holzvorrat, sondern dazu zählen auch seine Gesundheit, seine Schutzfunktionen und das Heranwachsen von jungen Bäumen. 

Was so einleuchtend klingt, ist in der Praxis schwierig, wenn es darum geht, mit Rücksicht auf die Reproduktion des Waldes, ein richtiges Maß der Nutzung festzulegen.  

Das System Wald ist komplex und dynamisch. Seine Reproduktion erfolgt in langen Zeiträumen und wird von vielen Faktoren bestimmt (Bodenqualität, vorhandene Baumarten, Klima, Höhenlage, Niederschläge Emissionen usw.), über deren Bedeutung und gegenseitige Beeinflussung noch lange nicht alles bekannt ist. Aufgrund der langen Zeiträume erfordert Nachhaltigkeit einen Generationenvertrag, denn der Ertrag von Investitionen in die Pflanzung und die Pflege des Waldes wird nie den Personen zugute kommen, die sie tätigen.  

In der Praxis konnte das in der Forstwirtschaft schon so lange bekannte Prinzip der Nachhaltigkeit den weltweiten Raubbau an Wäldern nicht verhindern. Auch in Europa setzten Erfolge erst ein, als durch die Nutzung von Kohle und später Öl die Nachfrage nach Brennholz zurückging.