Zig Millionen Tonnen Abfall befinden sich in den Weltmeeren. Die Schätzungen über die Mengen gehen zwar auseinander, klar ist jedoch, dass der Abfall, egal ob Kunststoff, Glas, Metall oder Papier dort nichts verloren hat. Der Großteil davon – ca. 60% - sind Kunststoffabfälle. Etwa 70 % der Abfälle sinken zu Boden, der Rest wird an Strände gespült (15 %), treibt an der Wasseroberfläche oder in tieferen Meeresschichten (15 %). 

Die Kunststoffteile können von Meerestieren und Vögeln als Nahrung verwechselt und aufgenommen werden, wodurch sie in die Nahrungskette gelangen. Kunststoffpartikeln wird auch vorgeworfen, dass sich toxische Stoffe an ihrer Oberfläche anlagern können. 

Warum sind gerade so viele Kunststoffmaterialien in den Meeren?  

Kunststoffe haben sich seit Mitte des vorigen Jahrhunderts in vielen Produktbereichen durchgesetzt. Seit der zweiten Hälfte der 80er-Jahre sind sie das volumsmäßig wichtigste Material, noch vor den Metallen. Ihre Vorteile liegen vor allem im geringen Gewicht und der leichten Formbarkeit, aber auch in ihrer Ressourceneffizienz.  So sparen zum Beispiel Dämmstoffe in ihrem Produktlebenszyklus das 233-fache an Emissionen ein als ihre Produktion verursacht.  

Kunststoffverpackungen haben gegenüber alternativen Verpackungsmaterialien einen Gewichtsvorteil, der beim 2- bis 8-fachen liegt. Damit wird ein Nachteil beim „Carbon-Footprint“ der Produktion überkompensiert, was zu einer Nettoeinsparung von 220 Mio. Tonnen Treibhausgasen führt. Je leichter ein Auto ist, desto weniger Treibstoff verbraucht es. Leichte Kunststoffe tragen dazu bei, dass der Kraftstoffverbrauch von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren deutlich sinkt. Diese technologischen Vorteile und Umwelt- und Gesundheitsgründe haben dazu geführt, dass Kunststoffe in vielen Anwendungsbereichen das Material der Wahl sind. 

Seit den 50er-Jahren ist die Weltbevölkerung von ca. 2 Milliarden Menschen auf über 7 Milliarden angestiegen und diesen geht es  – bei aller in manchen Teilen des Globus noch herrschenden Not – besser als vor 70 Jahren. Will man diesen Standard erhalten, so bedarf es natürlich eines größeren Materialeinsatzes. 

Die weltweite Produktion an Kunststoffen lag im Jahr 2012 bei 288 Mio. Tonnen. Davon gehen in Europa ca. 39,4 % in den Verpackungssektor, 20,3 % in den Baubereich, 8,2 % in Automotiv-Produkte, 5,5 % in die Elektronik und 4,2 % in die Landwirtschaft. 22,4 % werden in sonstigen Sektoren, wie Haushaltsartikel, Möbel, Sport, Gesundheit und Sicherheit, eingesetzt. Ein Ersatz von Kunststoffen in all diesen Anwendungen hätte, neben anderen Umwelt- und Gesundheitsnachteilen, nur zur Folge, dass sich andere Materialien in den Weltmeeren wiederfinden. Und auch Glas oder Getränkedosen haben manchmal Abbauzeiten von mehreren hundert Jahren. 

 

Wie löst man das Problem? 

Die eine Patentlösung wird es dafür wohl nicht geben, stattdessen wird es verschiedener Lösungsansätze bedürfen. Wir befinden uns derzeit mitten in einem Diskussionsprozess, in dem es zunächst wichtig ist, Fakten zu sammeln. Darauf basierend können Lösungen angedacht und ausprobiert werden. Der Fachverband kooperiert eng mit den deutschen und Schweizer Kunststoffverbänden und hat gemeinsam mit diesen bereits 2012 eine Studie über Land-sourced-litter in der Nord- und Ostsee und im Mittelmeer in Auftrag gegeben.

In Workshops mit Stakeholdern wie Industrie, Behörden, Kommunen, NGOs und  Forschungsinstituten wurden Lösungsansätze diskutiert. Schlussendlich konnte ein Modell zur Erfassung landbasierter Kunststoffabfälle erabeitet werden, das kontinuierlich ausgeweitet und verbessert wird.

Aber nicht nur die deutschsprachigen Kunststoffverbände sind hier aktiv, sondern es gibt weltweit eine Vielzahl von Initiativen. Ganz wesentlich sind Verbesserungen bei Abfallmanagementsystemen, denn nur dort wo Abfall gesammelt wird, kann Marine Litter vermieden werden. Österreich hat ein sehr gutes Abfallverwertungs- und –entsorgungssystem, aber schon in anderen Staaten Europas gibt es große Defizite, geschweige denn auf anderen Kontinenten. 

Maßnahmen gegen Littering muss auf verschiedenen Ebenen eine höhere Priorität erreichen. Eine Initiative um Verluste von Kunststoffgranulat aus Industriebetrieben zu vermeiden ist das Zero-Pellet-Loss-Programm der europäischen Industrie. Der Fachverband setzte dieses in Österreich mit dem Pakt "Zero Pellet Loss"  um. In dieser freiwilligen Vereinbarung mit dem Umweltministerium verpflichten sich die teilnehmenden Unternehmen zur Einhaltung eines entsprechenden 10 Punkte – Maßnahmenkatalogs, mit dem der Eintrag von Kunststoffrohstoff aus Betrieben in Gewässer vermieden werden soll.  

Neben Vorsorgemaßnahmen wird es aber auch einer Nachsorge bedürfen um die Abfälle wieder möglichst aus dem Meer herauszubekommen. Auch dafür gibt es vielversprechende Ansätze, die sich aber erst in der Praxis bewähren müssen.  

Insgesamt ist anzumerken, dass der Beitrag Österreichs zu Marine Littering mit seinem gut ausgebauten Abfallverwertungssystem ein marginaler ist. Die großen Verursacher finden sich in Fernost (China, Indonesien, Philippinen, Vietnam etc.). Österreich kann seinen Beitrag leisten, entscheidend für einen Erfolg sind aber Verbesserungen der Umweltsituation in diesen Ländern.