Sechster Österreichischer Kunststofftag

Der Fachverband der Chemischen Industrie/Kunststofferzeugende und Kunststoffverarbeitende Industrie und die Bundesinnung der Kunststoffverarbeiter veranstalteten in Kooperation mit PlasticsEurope am  14. Mai 2013 den "6. Österreichischen Kunststofftag" in der Wirtschaftskammer Österreich.

"Kunststoff – Rohstoff und Energie der Zukunft" war Thema der Veranstaltung. In einer Reihe von Vorträgen wurde die Rolle von Kunststoffen bei der Lösung des Energie- und Ressourcenproblems beleuchtet.

Einsatz von Zusatzstoffen

Zusatzstoffe oder Additive werden den Kunststoffen zur Verbesserung bestimmter Materialeigenschaften oder zur Erleichterung der Verarbeitung zugesetzt.

Man unterscheidet daher Funktionszusatzstoffe und Verarbeitungshilfsmittel.

Wichtige Funktionszusatzstoffe sind:

  • Lichtschutzmittel - sie schützen vor Schäden durch Licht
  • Antioxidantien - sie schützen vor Schäden durch Einwirkung von Sauerstoff
  • Füllstoffe - sie erhöhen die mechanische Festigkeit
  • Farbstoffe und Pigmente - sie ermöglichen farbige Kunststoffe
  • Weichmacher - sie erhöhen die Flexibilität bestimmter Kunststoffe
  • Antistatika - sie verhindern die statische Aufladung von Kunststoffprodukten an der Oberfläche

Wichtige Verarbeitungshilfsmittel:

  • Gleitmittel – sie erleichtern den Transport der Kunststoffschmelze in den Verarbeitungsmaschinen
  • Hitzestabilisatoren – sie schützen die Kunststoffe bei der Verarbeitung vor Schäden durch Überhitzung
  • Entformungshilfsmittel
  • Treibmittel – sie ermöglichen die Herstellung von Schaumstoffen

Wie sich Zusatzstoffe verhalten

Funktionszusatzstoffe können ihre Wirkung nur entfalten, wenn sie während des Gebrauches der Produkte auch im Kunststoff verbleiben. Ein Additiv, das durch äußere Einflüsse, z.B. Bewitterung oder Auslaugung, aus dem Kunststoff auswandert (migriert), ist wertlos.

Bevor Zusatzstoffe in der Produktion Anwendung finden, wird daher ihr Migrationsverhalten in Tests, die sich oft über viele Jahre erstrecken, überprüft.

Für Kunststoffe, die im Lebensmittel- oder Medizinbereich verwendet werden, ist sowohl die Art der erlaubten Zusatzstoffe als auch das erlaubte "Migrationsverhalten" gesetzlich geregelt.

Die Behauptung, dass es überhaupt keine Migration von Inhaltsstoffen aus Kunststoffen gibt, ist nicht haltbar. "Nichts" ist immer nur eine Frage der Nachweisgrenze der angewandten Meß- und Analysentechnik.

Marine Litter

Rund 100 bis 150 Mio. Tonnen Abfall (Verpackungen, Abfall aus Fischerei und Schifffahrt etc.) befinden sich in den Weltmeeren. Der Großteil davon – ca. 60% - sind Kunststoffabfälle. Etwa 70 % der Abfälle sinken zu Boden, der Rest wird an Strände gespült (15 %), treibt an der Wasseroberfläche oder in tieferen Meeresschichten (15 %).

Die Kunststoffteile können von Meerestieren und Vögeln mit Nahrung verwechselt und aufgenommen werden und gelangen so in die Nahrungskette. Kunststoffpartikeln wird auch vorgeworfen, dass sich toxische Stoffe an ihrer Oberfläche anlagern können.

Warum sind gerade so viele Kunststoffmaterialien in den Meeren?

Kunststoffe haben sich seit Mitte des vorigen Jahrhunderts in vielen Produktbereichen durchgesetzt. Seit der zweiten Hälfte der 80er-Jahre sind sie das volumsmäßig wichtigste Material, noch vor den Metallen. Ihre Vorteile liegen vor allem im geringen Gewicht und der leichten Formbarkeit, aber auch in ihrer Ressourceneffizienz.

So sparen zum Beispiel Dämmstoffe in ihrem Produktlebenszyklus das 233-fache an Emissionen ein als ihre Produktion verursacht.
Kunststoffverpackungen haben gegenüber alternativen Verpackungsmaterialien einen Gewichtsvorteil der beim 2- bis 8-fachen liegt. Damit wird ein Nachteil beim „Carbon-Footprint“ der Produktion überkompensiert, was zu einer Nettoeinsparung von 220 Mio. Tonnen Treibhausgasen führt.
Je leichter ein Auto ist, desto weniger Treibstoff verbraucht es. Leichte Kunststoffe tragen dazu bei, dass der Kraftstoffverbrauch von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren deutlich sinkt.
Diese technologischen Vorteile und Umwelt- und Gesundheitsgründe haben dazu geführt, dass Kunststoffe in vielen Anwendungsbereichen das Material der Wahl sind.

Dazu kommt noch, dass seit den 50er-Jahren die Weltbevölkerung von ca. 2 Milliarden Menschen auf über 7 Milliarden angestiegen ist. Und diesen geht es – bei aller in manchen Teilen des Globus noch herrschenden Not – über alles gesehen besser als vor 70 Jahren. Will man diesen Standard erhalten, so bedarf es natürlich eines größeren Materialeinsatzes.

Die weltweite Produktion an Kunststoffen lag im Jahr 2012 bei 288 Mio. Tonnen. Davon gehen (Zahlen für Europa) ca. 39,4 % in den Verpackungssektor, 20,3 % in den Baubereich, 8,2 % in Automotiv-Produkte, 5,5 % in die Elektronik und 4,2 % in die Landwirtschaft. 22,4 % werden in sonstigen Sektoren (Haushaltsartikel, Möbel, Sport, Gesundheit und Sicherheit) eingesetzt. Auch ein Ersatz von Kunststoffen in all diesen Anwendungen hätte, neben anderen Umwelt- und Gesundheitsnachteilen, nur zur Folge, dass sich andere Materialien in den Weltmeeren wiederfinden. Und auch diese haben manchmal eine sehr lange Abbaudauer (Glas – unbestimmt, Getränkedose 200 Jahre)

Wie löst man das Problem?

Eine Patentlösung wurde dafür noch nicht gefunden. Wir befinden uns derzeit in der Anfangsphase der Diskussion, wo es  wichtig ist Fakten zu sammeln, Lösungen anzudenken und auch auszuprobieren. Der Fachverband kooperiert eng mit den deutschen und Schweizer Kunststoffverbänden und hat gemeinsam mit diesen schon 2012 eine Studie über Land-sourced-litter in der Nord- und Ostsee und im Mittelmeer in Auftrag gegeben. Darauf folgten Workshops mit allen Stakeholdern (Industrie, Ministerien, NGOs, Forschungsinstituten etc.) in denen Lösungsansätze diskutiert wurden. Aktuell läuft eine Studie über die Eintragswege von Kunststoffabfällen in die Nordsee.

Aber nicht nur die deutschsprachigen Kunststoffverbände sind hier aktiv, sondern es gibt weltweit eine Vielzahl von Initiativen.

Grundsätzlich wird es wohl verschieden Lösungsansätze geben müssen. Wichtig wird es sein, dass die Staaten der Welt ihre Abfallentsorgungssysteme in Ordnung bringen. Österreich hat ein sehr gutes Abfallverwertungs- und –entsorgungssystem, aber schon in anderen Staaten Europas gibt es hier große Defizite, geschweige denn auf anderen Kontinenten.

Maßnahmen gegen Littering müssten auch eine höhere Priorität haben. Eine Initiative um Verluste von Kunststoffgranulat aus Industriebetrieben zu vermeiden ist das Zero-Pellet-Loss-Programm der europäischen Industrie. Der Fachverband setzt dieses in Österreich um. Im „Zero-Pellet-Loss“-Pakt mit dem Umweltministerium verpflichten sich die teilnehmenden Unternehmen zur Einhaltung eines entsprechenden 10 Punkte – Maßnahmenkatalogs mit dem der Eintrag von Kunststoffrohstoff aus Betrieben in Gewässer vermieden werden soll.

Neben Vorsorgemaßnahmen wird es aber auch einer Nachsorge bedürfen um die Abfälle wieder möglichst aus dem Meer herauszubekommen. Dazu gibt es auch schon Ansätze, die sich aber erst in der Praxis bewähren müssen.

Insgesamt ist anzumerken, dass der Beitrag Österreichs zu Marine Littering mit seinem gut ausgebauten Abfallverwertungssystem ein marginaler ist. Die großen Verursacher finden sich in Fernost (China, Indonesien, Philippinen, Vietnam etc.). Österreich kann seinen Beitrag leisten, entscheidend für einen Erfolg sind aber Verbesserungen der Umweltsituation in diesen Ländern.

Kontakt/Ansprechpartner

Dr. Johann Pummer

05 90 900 - 3372

Pummer@fcio.at

Pakt "Zero Pellet Loss"

Am 12. März 2015 haben 21 Unternehmen der Kunststoffbranche sich dazu verpflichtet, Verluste von Kunststoff-Rohstoff durch Optimierungsprozesse und breit angelegte Informationskampagnen zu minimieren. Diese Verpflichtung, die 10 Maßnahmen umfasst, wurde mit dem BMLFUW in dem Pakt "Zero Pellet Loss" besiegelt:

http://www.fcio.at/Default.aspx?site=fcio.at-DE&menu=Presse#Zero_Pellet_Loss_Initiative

 

Umsetzung des Paktes

Der Fachverband begleitet und unterstützt die Unterzeichner bei der innerbetrieblichen Umsetzung der 10 Maßnahmen. Bei Veranstaltungen und in zahlreichen Gesprächen wird  auf die Wichtigkeit des Paktes für die gesamte Kunststoffbranche hingewiesen. Der Fachverband ist der Überzeugung, dass jeder einen Beitrag zur Verminderung des Kunststoffrohstoffverlustes leisten kann.

Um das Bewusstsein für die Probleme, die Kunststoff in Gewässern verursacht, zu vergrößern, arbeitet der Fachverband an Maßnahmen auch im Bereich des Transportwesens, der Abfallwirtschaft sowie bei Forschungseinrichtungen und Schulen.

Nach Ablauf eines Jahres wird ein Umsetzungsbericht gemeinsam mit dem UBA und dem BMLFUW präsentiert.

Kontakt/Ansprechpartner

Dr. Susanne Gfatter

05 90 900 3369

gfatter@fcio.at

Materialien für Ihr Unternehmen

Auch verschütteter Kunststoff darf nicht in die Umwelt gelangen. Eine wichtige Voraussetzung zur innerbetrieblichen Umsetzung von „Zero Pellet Loss“ ist ein Problembewusstsein bei allen MitarbeiterInnen. Dieses Video von PlasticsEurope zeigt anschaulich Problem und Lösung.

Für die innerbetriebliche Verwendung stellen wir Ihnen zwei Poster, die Teil der "Zero-Pellet-Loss"-Initiative sind, zur Verfügung: Die Poster mit „Do & don’t“-Symbolen und der Botschaft „Was hier reingelangt …“ sollen hierbei die Maßnahmen 9 - Schulungen der MitarbeiterInnen und 10 - Information der Logistikpartner unterstützen.

 

Kontakt/Ansprechpartner

Dr. Susanne Gfatter

05 90 900 3369

gfatter@fcio.at

Veranstaltungen

Kunststoff in Gewässern: Konferenz in Brüssel Mai 2015

Auf Einladung des BMLFUW und UBA trafen sich betroffene Stakeholder, wie Behörden, Industrie, Netzwerk der europäischen Umweltagenturen (EPA Network), EU-Kommission und NGOs bei der Konferenz "Eliminating Plastic and Microplastic Pollution - an urgent need" in Brüssel.

Weitere Informationen

Kontakt/Ansprechpartner

Dr. Susanne Gfatter

05 90 900 3369

gfatter@fcio.at

Literatur

Hier finden Sie weiterführende Links zu Initiativen und Aktivitäten rund um Kunststoff in Gewässern

 

Marine Litter Solutions: Die Initiative der Kunststoffindustrie zum Schutz unserer Gewässer

 

Operation Clean Sweep: Internationales Programm des American Chemistry Council um Verluste von Pellets, Flakes und Pulver in Gewässer zu minimieren

 

Aktivitäten des UBA sowie Link zur Studie “Plastik in der Donau

 

BKV: Die Expertenplattform der Kunststoffindustrie zum Thema Abfälle im Meer – Marine Litter

 

Kontakt/Ansprechpartner

Dr. Susanne Gfatter

05 90 900 3369

gfatter@fcio.at

Was sind Kunststoffe?

Kunststoffe sind organische*) Werkstoffe, deren Hauptbestandteil Kohlenstoff ist. Fast alle Kunststoffe enthalten zusätzlich Wasserstoff, viele auch Sauerstoff oder Stickstoff. Wesentlich seltener findet man Schwefel, Chlor, Fluor oder Silizium in Kunststoffen. Die Elemente sind zu riesigen, kettenförmigen oder netzartigen Molekülen zusammengeschlossen, die man wegen ihrer Größe als Makromoleküle bezeichnet.

Modell eines Kunststoffmoleküls

Modell eines Kunststoffmoleküls; Bild: VKE

Zahlreiche Naturstoffe wie etwa Zellulose, Stärke, Eiweißstoffe oder Harze sind ebenfalls aus Makromolekülen aufgebaut.

Zellulosemodel

Modell eines Zellulosemoleküls; Bild: VKE

Der Aufbau aus Makromolekülen ist ein wichtiges Merkmal aller Kunststoffe und viele Eigenschaften der Kunststoffe sind darauf zurückzuführen.

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*) In der Chemie wird der Bereich, der sich mit den Kohlenstoffverbindungen befaßt, als organische Chemie bezeichnet. Man nahm ursprünglich an, dass Kohlenstoffverbindungen nur von lebenden Organismen (Pflanzen oder Tieren) aufgebaut werden können. Das lag insofern nahe, als die damals bekannten Kohlenstoffverbindungen alle aus der Natur stammten wie z. B. Zellulose, Stärke, Eiweißstoffe usw. Seit mehr als 100 Jahren weiß man, dass diese Annahme nicht richtig ist, die Bezeichnung Organische Chemie blieb aber erhalten. 

Wie werden Kunststoffe hergestellt?

Bei der Herstellung von Kunststoffen werden bestimmte Makromoleküle systematisch aufgebaut. Der Aufbau erfolgt aus einer Vielzahl kleiner gleichartiger Bausteine, die durch chemische Reaktion miteinander verbunden werden. Kunststoffe werden daher auch als polymere Stoffe bezeichnet, da sie durch das Aneinanderreihen und Verbinden sehr vieler Teile (poly = viele, meros = Teil) entstehen. In der Chemie nennt man diese Aufbaureaktionen Polymerisation.

Polymerstoff

Das regelmäßige Bauprinzip, bei dem sich ein bestimmter Teil des Makromoleküls ständig wiederholt (entsprechend den verwendeten Bausteinen), ist ebenso ein gemeinsames Merkmal aller Kunststoffe wie der Aufbau aus Makromolekülen.

Die Ausgangsstoffe ("Bausteine") für Kunststoffe sind einfach gebaute Kohlenstoffverbindungen, die heute aus Erdöl oder Erdgas gewonnen werden. Bis in die 60iger Jahre war Kohle der wichtigste Rohstoff für die Herstellung der "Kunststoffbausteine". Grundsätzlich eignen sich alle kohlenstoffhaltigen Rohstoffe als Basismaterial für die Gewinnung von Kunststoffbausteinen also auch nachwachsende Rohstoffe, wie z.B. Melasse (Rückstände aus der Zuckergewinnung).

Der Kunststoff Polyethylen, aus dem z.B. alle Tragtaschen sind, entsteht beispielsweise durch Polymerisation tausender Ethylenmoleküle.

Die Namen vieler Kunststoffe geben Auskunft darüber, welche "Teilchen" für ihre Herstellung verwendet werden:

- Polyethylen = "viele Ethylenteilchen"
- Polypropylen = "viele Propylenteilchen"
- Polystyrol = "viele Styrolteilchen"

Wie viele verschiedene Kunststoffe gibt es?

Man kennt heute weit mehr als 200 verschiedene Kunststoffarten, die man nach verschiedenen Gesichtspunkten einteilen kann.

Eine Möglichkeit der Unterscheidung ist ihr Verhalten beim Erwärmen: Man unterscheidet Thermoplaste, Elastomere und Duroplaste.

Thermoplaste: Sie erweichen beim Erwärmen bis zum Fließen und sind in diesem plastischen Zustand leicht formbar. Beim Abkühlen werden sie wieder fest und behalten ihre Form bei. Sie bestehen aus fadenförmigen Makromolekülen, die ineinander verknäuelt aber untereinander nicht verbunden sind (wie Spagetti auf einem Teller). Beim Erwärmen beginnen sich die Makromoleküle zu bewegen und können dabei aneinander abgleiten, da sie nicht verknüpft sind und der Kunststoff schmilzt. Die meisten der heute bekannten Kunststoffe zählen zu den Thermoplasten: Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polystyrol (PS), Polyvinylchlorid (PVC), Polyamide (PA, z.B. Nylon , Perlon , Dralon), Polycarbonate (PC), Polyethylenterephthalat (PET, z.B. Trevira), Polymethylmethacrylat (PMMA, z.B. Plexiglas ) 

Elastomere: Ihr besonderes Merkmal ist ihre hohe Elastizität. Sie werden aber beim Erwärmen nicht plastisch und sind nicht schmelzbar. Ihre Makromoleküle sind an einigen Stellen miteinander verbunden und bilden ein weitmaschiges räumliches Netz. Das ist die Ursache für ihre Elastizität - das Material "federt" nach einer Verformung durch die Verknüpfung der Moleküle wieder in die Ausgangslage zurück – aber auch der Grund dafür, dass sie nicht schmelzen, da die Moleküle nicht mehr aneinander abgleiten können. Zu den Elastomeren zählen: Kautschuk, Gummi.

Duroplaste: Bei diesen Kunststoffen sind die Makromoleküle in allen Raumrichtungen eng miteinander vernetzt. Duroplaste sind sehr hart und unschmelzbar. Man erhält sie, indem flüssige Ausgangsprodukte (z.B. Reaktivharze) miteinander reagieren und dabei die vernetzten Makromoleküle aufbauen. Duroplaste sind auch nur zu dem Zeitpunkt, an dem die Makromoleküle vernetzen, formbar, d.h. sie müssen bereits bei der Herstellung auch in die gewünschte Form gebracht werden. Zu den Duroplasten zählen: Polyurethane (PUR), Phenolharze, Harnstoff- und Melaminharze, Polyesterharze, Epoxidharze, Silikone.

Eine andere Möglichkeit der Einteilung bieten die verschiedenen Eigenschaftsprofile.

Unter diesem Gesichtspunkt unterscheidet man Standardkunststoffe, Technische Kunststoffe und Hochleistungs- oder Spezialkunststoffe.

Standardkunststoffe - auf sie entfallen fast 80% der Weltkunststoffproduktion. Die Anzahl der Kunststoffe in dieser Gruppe ist jedoch klein:

Polyethylen (PE) z.B. Waschmittelflaschen, Tragtaschen, Rohre 
Polypropylen (PP) z.B. Margarinebecher, Stoßfänger, Teppichgarne
Polystyrol (PS), z.B. Joghurtbecher, Wärmedämmplatten
Polyvinylchlorid (PVC), z.B. Rohre, Fensterrahmen
 
Standardkunststoffe zeigen ein ausgewogenes und gleichzeitig vielfältiges Eigenschaftsbild, das sie für eine Vielzahl von Anwendungsbereichen geeignet macht. 
 
- Eine große Gruppe unterschiedlicher Kunststoffe und "Kunststoff-Legierungen". Mengenmäßig entfallen allerdings nur etwa 20% der Weltkunststoffproduktion auf technische Kunststoffe. 
 
In ihren Eigenschaften sind sie den Standardkunststoffen meist überlegen, v.a. was die mechanische Festigkeit und die Temperaturbeständigkeit betrifft. 
 
Beispiele: 
Polyamide (PA): Maschinenteile, Fasern (Nylon, Perlon, Tactel)
Polycarbonate (PC): CDs, Schutzhelme, Mikroskopteile
Polyethylenterephthalat (PET): z.B. Getränkeflaschen, Filme, Zahnräder, Schlafsackfüllungen 
Polymethylmethacrylat (PMMA): Autorückstrahler, Kontaktlinsen, Solarien, transparente Lärmschutzwände 
Fluorkunststoffe (PTFE, z.B. Teflon): Antihaft-Beschichtungenn für Bügeleisen, Pfannen usw., atmungsaktive Textilien (Gore-Tex), Dichtungen 
Polyurethane (PUR): Polstermöbel, Matratzen, Sportgeräte, Schuhsohlen, elastische Textilien (Elastan) 
Phenol-, Harnstoff- und Melaminharze: Schaltergehäuse, Verteilerkästen, Spulenkörper, Laminatfussböden, Möbelplatten (Max-Platten)
Polyester- und Epoxidharze

Hochleistungskunststoffe

 - sie zeichnen sich dadurch aus, daß eine oder manchmal auch mehrere Werkstoffeigenschaften besonders hervorstechen, z.B. extreme Temperaturbeständigkeit, elektrische Leitfähigkeit, besondere Chemikalienbeständigkeit u.ä. Ihr Anteil an der Weltkunststoffproduktion liegt allerdings nur bei 0,2 %

Beispiele: Polyaryletherketone (PAEK), Polyimide (PI), Polyphenylensulfid (PPS), flüssigkristalline Kunststoffe (LCP)

APME Bayer 2

Warum gibt es so viele verschiedene Kunststoffe?

Kunststoffe kommen in sehr unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz, von der Medizin bis zur Raumfahrt. So vielfältig und verschieden wie die Anwendungsgebiete, sind auch die Anforderungen, die an das verwendete Material gestellt werden. Ein "Einheitskunststoff" oder einige wenige "Allzweckkunststoffe" können diese spezifischen Materialanforderungen nicht erfüllen.

Der Name Kunststoffe bezeichnet eine Werkstoffgruppe und ist vergleichbar mit den Bezeichnungen Metalle oder Keramik. Wie bei Metallen oder Keramik haben die Vertreter der Werkstoffgruppe einige grundlegende gemeinsame Merkmale, in ihren individuellen Eigenschaften wie z. B. Härte, Temperaturbeständigkeit, Transparenz usw. zeigen sie aber deutliche Unterschiede.

Die individuellen Eigenschaften eines bestimmten Kunststoffes werden von den verwendeten "Bausteinen" und von der Art ihrer Verknüpfung bestimmt. Durch die Wahl geeigneter Ausgangsstoffe sind daher die Eigenschaften von Kunststoffen steuerbar und es gelingt, für eine bestimmte Anwendung einen Werkstoff mit genau passenden, sozusagen "maßgeschneiderten" Eigenschaften herzustellen.

Wo liegen die Vorteile der Kunststoffe?

Mit einer Dichte von 0,9 bis 1,5 g/cm3 zählen Kunststoffe zu den leichtesten Werkstoffen überhaupt. Lediglich Holz zeigt eine vergleichbar geringe Dichte.

Bild: BASF


Das geringe Gewicht von Kunststoffprodukten macht Kunststoffe zum effizienten Verpackungsmaterial: Bei in Kunststoff verpackten Waren entfallen durchschnittlich nur 1-3% des Produktgewichtes auf die Verpackung. 2 g Kunststofffolie verpacken 200 g Käse, in eine 85 g schwere Flasche lassen sich 1,5 Liter Flüssigkeit sicher abfüllen und ein Becher für 125 g Joghurt wiegt 3,5 g.

Leichte Kunststoffprodukte sind aber nicht nur angenehm und bequem, sondern leisten beim Bau moderner Verkehrsmittel einen wichtigen Beitrag zur Verringerung des Treibstoff- und Energieverbrauchs.

In einem heute gebauten Auto kommen etwa 140 kg Kunststoff zum Einsatz und ersetzen 200 bis 250 kg andere Materialien. 100 kg weniger Fahrzeuggewicht bedeutet eine Treibstoffersparnis von ca. 750 Liter im Laufe eines durchschnittlichen "Autolebens" von 150.000 Kilometern. Allein die österreichischen Autofahrer sparen durch den Kunststoff-Einsatz im Automobil 300 Millionen Liter Treibstoff in einem Jahr.

Sie lassen sich leicht und kostengünstig formen

Ihre gute und vergleichsweise leichte Formbarkeit lässt der Phantasie bei der Gestaltung von Kunststoffprodukten viel Raum. Es lässt sich zwar nicht jeder Formenwunsch in der Praxis verwirklichen – aber Ideen nehmen in Kunststoff Gestalt an.

Der Wunsch nach ungewöhnlichen und komplizierten Formen hat nicht nur optisch-ästhetische Gründe, sondern sehr oft einen technischen oder wirtschaftlichen Hintergrund.

Sie sind gute Isolatoren für Wärme und elektrischen Strom

Kunststoffe sind sehr schlechte Wärmeleiter und leiten elektrischen Strom praktisch nicht. Sie sind daher besonders gut für die Herstellung von Wärmedämmprodukten und elektrischen Isolatoren geeignet. Eine 5 cm dicke Isolierschicht aus Kunststoffschaum reduziert die Heizenergie und die Heizkosten eines Einfamilienhauses auf nahezu die Hälfte. Die Heizung eines nicht isolierten Hauses verbraucht pro Jahr rund 10 l Heizöl/m2 Außenhaut. Durch die einmalige Verwendung von 200 kg Kunststoffdämmung ersparen sich die Bewohner eines durchschnittlich großen Einfamilienhauses (200 m2 Außenfläche) jedes Jahr 1000 Liter Erdöl und der Umwelt 2.800 Tonnen Kohlendioxidemission.

Sie sind flexibel und anpassungsfähig

Kunststoffe sind in vieler Hinsicht flexibel: zum einen was die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten betrifft, zum anderen lassen sich auch ihre Materialeigenschaften steuern und an den Einsatzbereich eines Produktes anpassen. Extrem dünne, zähe Folien sind einzigartige Produkte, die aus keinem anderen Werkstoff herstellbar sind. Sie passen sich wie eine zweite Haut vorgegebenen Formen an.

Ebenso lässt sich z. B. die Durchlässigkeit von Kunststofffolien für Gase genau einstellen. Solche Folien erlauben es, Verpackungen herzustellen, die sich auf die Haltbarkeit von Frischprodukten günstig auswirken. Durch die Folie kann nur ein kontrollierter Gasaustausch stattfinden und in der Verpackung stellt sich ein für die Haltbarkeit günstiger Sauerstoffgehalt ein. Für Salat z.B. lässt sich mit Hilfe derartiger Verpackungen die Haltbarkeit um 50% erhöhen.

APME: Bogen

Vierter österreichischer Kunststofftag

Den Beitrag von Kunststoffen im Breiten- und Spitzensport, im Behindertensport sowie der Orthopädie und Prothetik diskutierten Fachleute anlässlich des Vierten Österreichischen Kunststofftages am 12. Mai 2009 im Haus der Wirtschaft in Wien.

In der zweiten Hälfte der 80er Jahre hat Kunststoff den Stahl als vom (Raum-)Volumen her bedeutendsten Werkstoff überflügelt. Das verwundert nicht, nachdem ja quasi in allen Lebensbereichen moderne Polymere anzutreffen sind.

Auch im Sportbereich hat sich der Kunststoff als wichtiger Werkstoff etabliert. Sportgeräte sind aus Kunststoff, in der Sportbekleidung nutzt man die Vorteile von Kunststoffen und auch in Sportstadien ist oft der Boden polymer und auch die Dachkonstruktionen, Bestuhlung und vieles mehr.

Kunststoffe werden eingesetzt, weil sie mit ihren vielfältigen Eigenschaften die Leistungsgrenzen im Sport im Vergleich zu herkömmlichen Werkstoffen weit hinausschieben. Auch ein Top-Skirennläufer hätte mit Holz- oder Metallbrettern kaum Chancen gegen einen der Letzten im Starterfeld mit modernen Kunststoffskiern.

Ein augenfälliges Beispiel für die Leistungssteigerung durch Kunststoff ist auch der Stab beim Stabhochspringen. Kunststoff erreicht hier Durchbiegungsgrade von 60-100 cm, Metallstäbe 6-20 cm. Ergebnis: Der Weltrekord wurde von 4,80 m auf 6,14 m gesteigert.

Kunststoffe schützen die Sportler. Und nicht nur Kopf, Knie und Ellbogen z.B.beim Skaten. Auch Formel 1-Fahrer verdanken ihr Leben bei manchem Crash dem Kunststoff. Wenn sie mit 200 km/h in die Reifenwände krachen, das Auto demoliert ist, sie aber ohne wesentliche Schrammen aus dem Fahrzeug steigen, so schreibt die Presse meist, dass sie dies dem „Carbonfiber“-Chassis verdanken. Der Laie denkt bei dieser Bezeichnung vielleicht nicht sofort an Kunststoff, aber es ist ein Kohlenstofffaser verstärktes Kunststoffteil, das dem Fahrer das Leben gerettet hat – womöglich aus österreichischer Produktion.

Übrigens ist auch das runde Leder heutzutage ein runder Kunststoff.

Und im Falle einer Verletzung hilft Kunststoff bei der Rehabilitation. Will man danach weiter Sport betreiben, so sind Kunststoffhilfsmittel schon so fortgeschritten, dass die behinderten Sportler schon bald den gesunden ernsthafte Konkurrenz machen werden.

Kunststoff wird der Schlüsselwerkstoff des 21. Jahrhunderts sein wird. Dies betrifft nicht nur den Sport, sondern auch die Telekommunikation, den Automobilbau, das Verpackungswesen, die Medizintechnik, dem Bausektor und vieles mehr. 

Fünfter Österreichischer Kunststofftag

Kunststoff und Mobilität war das Thema des 5. Österreichischen Kunststofftages am 10. Mai 2011 in der WKO.

Kunststoff hilft nicht nur durch sein geringes Gewicht Treibstoff zu sparen, er macht Fahrzeuge auch sicherer und im Design vielfältiger gestaltbar. Seine Kostengünstigkeit macht Mobilität für breite Bevölkerungsschichten leistbarer. Mobilität ohne Kunststoff ist eigentlich nicht mehr vorstellbar.

Der Bogen der Vorträge spann sich vom Automobilbau über Nutzfahrzeugbau, Einsatz in Sportwägen und Seilbahnen bis zu Schienenfahrzeugen. Beleuchtet wurde auch die ökologische Seite der Kunststoffe in dieser Anwendung.

Sechster Österreichischer Kunststofftag

Der Fachverband der Chemischen Industrie/Kunststofferzeugende und Kunststoffverarbeitende Industrie und die Bundesinnung der Kunststoffverarbeiter veranstalteten in Kooperation mit PlasticsEurope am 14. Mai 2013 den "6. Österreichischen Kunststofftag" in der Wirtschaftskammer Österreich.

"Kunststoff – Rohstoff und Energie der Zukunft" war Thema der Veranstaltung. In einer Reihe von Vorträgen wurde die Rolle von Kunststoffen bei der Lösung des Energie- und Ressourcenproblems beleuchtet.